Niedersächsischer Judoverband e.V.
Pfad: Startseite -> Aktuelles NJV bei
Suche:
25.07.2016
News NJV
Dimitri Peters: Ein absoluter Top-Judoka als Ersatzmann
Für Dimitri Peters schließt sich ein langer Kreis. Für die nahenden Olympischen Spiele in Rio wurde er nicht nominiert. DJB-Teamkollege Karl-Richard Frey aus Leverkusen sicherte sich mit nur 20 Weltranglisten-Punkten Vorsprung das deutsche Olympiaticket in der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm. Bereits 2008 hatte der niedersächsische Vorzeigeathlet diese bittere Erfahrung machen müssen – beim größten Sportereignis der Welt zum Zuschauen verdammt zu sein und nicht die Möglichkeit zu haben, den olympischen Traum zu leben. „Die Entscheidung war sehr hart für mich“, beschrieb der 32-Jährige seine Gefühle nach dem Anruf des Bundestrainers vor einiger Zeit. „Natürlich ist man tief enttäuscht, wenn man das Ziel, auf das man vier Jahre lang hingearbeitet hat, nicht erreicht.“

Nach Olympia-Bronze 2012 Rio fest im Blick

Bei „den Spielen“ in London 2012 begeisterte er Sportdeutschland mit einem nahezu perfekten Wettkampf. Nur gegen den späteren Olympiasieger musste er sich nach einer zehnminütigen Schlacht per Kampfrichterentscheid geschlagen geben. Nach dem umjubelten Gewinn der Bronzemedaille stand schnell fest: Dimitri Peters will mehr! Am Olympiastützpunkt Niedersachsen nahm er mit seinem Trainer Sven Loll die Mission „Verteidigung der olympischen Medaille“ in Angriff. Er trainierte hart, reiste durch die Welt und bewies, dass er einer der besten Sportler in seiner Gewichtsklasse ist. Als Weltranglistensechster hätte er in Rio zum Favoritenkreis gehört. Dass sein nationaler Konkurrent eine besondere Hürde auf dem Qualifikationsweg darstellen würde, wurde im Laufe der Zeit immer deutlicher. Der Kampf um den Startplatz im Limit bis 100 Kilogramm war bis zum Nominierungsschluss offen. „Der Bundestrainer hatte die Qual der Wahl“, fasst Peters die Situation prägnant zusammen

Enge Entscheidung zwischen Peters und Frey

Und in der Tat sprachen sowohl für Peters als auch für Frey viele Argumente. Zuletzt stimmten beim niedersächsischen Top-Judoka wieder die Ergebnisse. Mit dem Gewinn des Heim-Grand Prix in Düsseldorf und dem dritten Platz beim Grand Slam in Baku trumpfte der Niedersachse im Endspurt um die Nominierung noch einmal auf. Auch beim Saisonhighlight 2015, den Weltmeisterschaften, zeigte sich „Dima“ von seiner besten Seite. Insbesondere mit seinen überragenden Bodenkampfqualitäten überwand der Sportsoldat ein kleines Formtief, das ihm im Vorjahr zu schaffen machte – bei drei internationalen Turnieren erreichte er, anders als Karl-Richard Frey, keinen Platzierungsrang. In der Weltrangliste liegt Peters hauchdünn hinter Frey, den direkten Vergleich entschied er mit 3 Siegen bei einer Niederlage für sich. „Für mich hätte die Erfahrung gesprochen“, meint der Sportsoldat. Doch schließlich gaben andere kleine Nuancen den Ausschlag zugunsten von Frey.

Das internationale Nominierungssystem

Zwei Weltklasseathleten, von denen nur einer die Möglichkeit hat, sein großes Ziel zu verwirklichen, wirft die Frage nach den Nominierungsgrundsätzen auf. Die Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees und der Internationalen Judo Föderation sehen vor, dass lediglich ein Starter bzw. eine Starterin pro Nation je Gewichtsklasse bei Olympia an den Start gehen darf. Lediglich das gastgebende Land ist von der Regel ausgenommen. Insgesamt 17 Top-Judoka bekleiden Plätze unter den ersten 10 ihrer Gewichtsklasse, können aber aufgrund dieser Quotenregelung nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen.

Sollen bei Olympia die besten Athleten an den Start gehen?

Dass Dimitri Peters zu denjenigen Kämpfern gehört, die mit am meisten Punkte gesammelt haben, ist für den Hannoveraner natürlich kein Trost. „Einerseits sollte es natürlich so sein, dass bei dem wichtigsten Sportereignis der Welt auch die besten Kämpfer (unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft) an den Start gehen“, kommentiert er die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Nominierungssystems. „Auf der anderen Seite sind die Olympischen Spiele mehr als nur ein sportlicher Wettkampf“, fährt er mit dem Blick auf den Gedanken der Völkerverständigung – eines der zentralen Prinzipien der Olympischen Bewegung – fort. „Von den Vorgaben sind andere Nationen noch viel stärker betroffen als Deutschland“, erklärt er weiter, „Olympia hat einfach auch in dieser Hinsicht seine eigenen Gesetze. Natürlich können die Kapazitäten nicht einfach beliebig erhöht werden. Unabhängig davon hat es aber jeder Judoka, der es unter die Top 10 seiner Gewichtsklasse geschafft hat, absolut verdient, bei Olympia dabei zu sein. Man sollte darüber allerdings nicht nur ‚aus gegebenen Anlass‘ diskutieren.“

Neue Prioritäten und Ziele

Nach seiner Nichtberücksichtigung für die Olympischen Spiele setzt sich Dimitri Peters neue Ziele und Prioritäten. Einem neuerlichen Versuch in Richtung Olympia 2020 erteilt der Familienvater zwar eine klare Absage. Von der internationalen Bühne verabschiedet er sich jedoch nicht. Sein Fernziel liegt auf den Weltmeisterschaften 2017. Daneben wird „Dima“ in absehbarer Zeit die Trainer A-Ausbildung absolvieren. Zwar mag sich für ihn ein so mancher Kreis geschlossen haben. Doch gleichzeitig eröffnen sich ihm nun neue Wege und Möglichkeiten – auch und gerade im Judosport.


Eine vorherige Fassung dieses Textes wurde am 23.07.2016 auf der Olympiaseite des DJB (http://rio2016.judobund.de) erstveröffentlicht.

Text: NJV-Medienteam (Christian Jelinsky)
Fotos: [oben]: IJF; [unten]: DJB
C.Jelinsky, 24.07.2016 18:51:07